Triebe und Urinstinkte bei Hunden

Die wichtigsten Triebarten bei Hunden:

 

Alte Definition: der Ausdruck Trieb (v. treiben) bezeichnet einen vom inneren Instinkt gesteuerten Antrieb, der auf die Befriedigung starker, oft lebensnotwendiger Bedürfnisse gerichtet ist.

Neuere Erkenntnisse der Verhaltensforschung zeigen jedoch, dass die Vorstellung von festen, starren Trieben, denen der Hund „zum Opfer fällt“, nicht stimmt. Verhalten wird auch beim Hund von Motiven und Emotionen gesteuert.

Die folgenden „Triebe“ sind also als typisches Verhalten von Hunden anzusehen, die von den Motiven Bedarfsdeckung, Schadensvermeidung und Fortpflanzung ausgelöst werden.

 

 

 

Arterhaltungstrieb

Neben dem Selbsterhaltungstrieb der wichtigste Urtrieb. Er äußert sich im Geschlechts- und Pflegetrieb. Wenn er mit dem Selbsterhaltungstrieb zusammenwirkt, entwickelt sich der Geselligkeitstrieb. Sehr wichtig für das Zusammenleben mit dem Menschen. Wie schon der Name sagt, zielt dieser Trieb auf die Erhaltung der eigenen Art.

 

Apportier- oder Bringtrieb

Zusammen mit dem Jagd- und Beutetrieb eine wichtige Anlage der Wildhunde. Eine Beute, die nicht sofort gefressen wird, bringt der Hund für die Junghunde nach Hause oder vergräbt sie irgendwo. Auch im heutigen Hundesport spielt dieser Trieb eine wichtige Rolle. Sehr viele Hunde fallen automatisch in diese Triebhandlung. Sei es beim Spielen, begrüßen von Frauchen oder Herrchen", oder wenn sie unsicher sind, oder wenn ein unerwünschter Trieb unterdrückt wurde. Beobachten Sie Ihren Hund einmal, wenn dieser Trieb vom Hund angewendet wurde.

 

Begattungs- oder Geschlechtstrieb

Der Geschlechtstrieb hat bei vielen Experten auch den Namen Begattungstrieb. Doppelnamen für den gleichen Trieb existieren häufig. Der Geschlechtstrieb ist der stärkste Trieb im Bereich der Arterhaltung. Nach plus - minus einem Jahr, wenn beim Hund die Geschlechtsreife einsetzt, kommen der Wach-, Schutz- und Kampftrieb verstärkt hervor (die Geschlechtsreife ist z.T. Rassespezifisch unterschiedlich). Der Geschlechtstrieb ist für den Hund eine beherrschende Macht. Die Aufreitbewegungen und den Hündinnen nachlaufen, sind überdeutliche Signale beim Rüden. Bei der Hündin die Läufigkeit. Viele Menschen bereitet der Geschlechtstrieb der Hunde große Probleme. Vielleicht, weil wir Menschen z.T. mit unserem Geschlechtstrieb auch Probleme haben? Ein Tabuthema!?

 

Betätigungs- und Bewegungstrieb

Es ist wichtig, diesen Trieb zu erhalten und zu fördern. Beim jungen Hund äußert er sich in Freude am Spiel. Wenn ein Hund diese Bewegungsmöglichkeit nicht hat, treten psychische und physische Schäden auf. Beim Hundesport aller Art wird dieser Trieb stark gefördert. Er unterstützt das heutige im deutschsprachigen Raum ausgeübte Motivationstraining.

 

 Beutetrieb

Er ist die Grundlage für den Bring- oder Apportiertrieb, zuerst stöbert der Hund die Beute auf, dann verfolgt er sie, stellt und ergreift die Beute. Das Totschütteln und Fressen, dann nach Hause bringen (oder vergraben), beendet den Beutetrieb. Sehr stark wird dieser Trieb im modernen Schutzdienst gebraucht. Der normale Schutzdienst baut auf diesem Trieb seine Ausbildung schon beim Junghund auf. In Frankreich, wo meiner Meinung nach der härteste Schutzdienst der Welt praktiziert wird, fängt die Schutzhunde - Ausbildung, wie zum Teil auch in anderen Ländern, schon mit 2 Monaten an, und zwar mit der Aktivierung des Beutetriebs.

 

Fluchttrieb

Dieser steht im Zusammenhang mit Furcht oder Angst vor einer unbekannten Situation. Je nach Wesen und Charakterstärke eines Hundes wird dieser weniger grundlos Angst bekommen und dementsprechend einer neuen Situation begegnen. Scheue und ängstliche Tiere kann man fast immer auf eine nicht fachgerechte Aufzucht und Erziehung zurückführen. Kann aber leider, wenn der Fluchttrieb ausgeprägt ist, auch weitervererbt werden. Zum Fluchttrieb: Überschreitet ein vermeintlicher Gegner die imaginäre, kritische Distanz des scheuen Hundes so wird sein Fluchttrieb ausgelöst, oder es erfolgt ein Angriff mit dem Selbstverteidigungstrieb. Im Fluchtverteidigunsfall spricht man dann von einem Angstbeißer. Der eine Trieb löst oftmals einen oder mehrere andere aus!

 

Geltungstrieb

Eine Triebveranlagung die dem Geselligkeits- und indirekt auch dem Selbsterhaltungstrieb zugehörig ist. Er veranlasst Führungskämpfe innerhalb eines Rudels die der Arterhaltung dienen. Dieser Trieb macht die Wechselwirkung der Triebe besonders deutlich (siehe Meutetrieb). Imponiergehabe und zum Teil voller Stolz posieren, kommen vom Geltungstrieb. Auch ein Triebfaktor, der Hunde untereinander zu Raufereien veranlassen kann. Wenn der Hund von diesem Trieb beherrscht wird, unterschätzen wir diesen oftmals. Er wird als rein menschliche Handlung z.B. Stolz, oder aber auch als Eifersucht angesehen.

 

Geselligkeitstrieb

Er ist der wichtigste Trieb für die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Theoretisch kann ein Grossteil der Hunde in der Wildnis überleben, aber der Hund braucht den Menschen stärker als umgekehrt. Dieser Trieb bindet den Hund trieblich an den Menschen. Dank diesem war es dem Menschen erst möglich den wilden Wolf - Hund" zu domestizieren. Der Hund braucht immer ein Rudel. Er ist selten (nie) ein Einzelgänger. Der Hund sucht immer den Kontakt zu Anderen. Er macht selbst aus einem Menschen und einem Hund immer ein Rudel. Seine Triebe und Veranlagungen sind alle auf ein Rudelverhalten ausgelegt. Das ist im Geselligkeitstrieb, einem untergeordneten Teil des Arterhaltungstriebes, wie auch in anderen Trieben enthalten.

 

Heimkehrtrieb

Kommt z.B. zum Vorschein, wenn ein Hund nach einem langen Spaziergang sich auf die Rückkehr und das Zuhause "freut". Selbst Streuner kehren in der Regel immer zurück. Heimkehrtriebstarke Hunde finden selbst aus großen Entfernungen heim. Auch Hunde die weglaufen, kommen meistens immer zuerst an den Ort zurück, wo sie weggelaufen sind. Gut zu wissen?

 

Hetztrieb

Einer der vielen Teilaspekte des Jagdtriebes. Bei vielen Hunden ein starker Trieb. Das Wild wird auf Sicht verfolgt und gehetzt . Bei Bracken, einem Teil der Jagdhunde, und bei Windhunden, wird dies geschätzt. Bei allen anderen Hunden sollte dieser Trieb strikt von Anfang an unterbunden werden. Sie haben sonst nur Probleme bei Spaziergängen im Wald oder auf dem Feld. Diese Probleme hängen aber auch mit dem Jagdtrieb zusammen.

 

Jagdtrieb

Ob ein Hund Hunger hat oder nicht, ist nicht wichtig für den Jagdtrieb. Man muss sich vor Augen halten, dass auch bei einigen Rassen, wo dieser Trieb gezielt weggezüchtet wurde, dieser Trieb noch sehr schwach vorhanden ist! Jeder Hund sollte zum Nichtjagen erzogen werden. Ausnahme sollte nur für die zur Jagd gebrauchten Hunde gelten.

 

Kampftrieb

Bedeutet eigentlich der Kampf des Rüden um die Hündin und Festlegung der Rangordnung im Wildrudel. Auch der Kampf um eine Beute war ein Teil des ursprünglichen Kampftriebes. Heutzutage wird er besonders für den Schutzdienst beim Hundesport und im Diensthundewesen gefördert und gewünscht. Er ist ein eher aggressiver Trieb. Er sollte nur bei wesensstarken Hunden gefördert werden. Es kann sonst, besonders bei aus Angst entstehendem Kampftrieb, Probleme geben. Der Kampftrieb ist jedoch nicht mit dem Wehrtrieb zu vergleichen. Der auslösende Faktor für den Wehrtrieb ist der Kampftrieb. Der "Hundesport - Wehrtrieb" von heute ist ein Teilaspekt vom Kampftrieb. Je nach Ausbildung und Ausbildungsstand wird der Beute-, Wehr- oder Kampftrieb mehr oder weniger gefördert (siehe auch Schutztrieb). In der modernen Schutzdienstausbildung ist der Beutetrieb der meistverwandte Trieb.

 

Meutetrieb

Ist mit dem Geselligkeitstrieb stark verbunden. Ein Hund ist abhängig von seiner Meute (Rudel). In seinem Rudel kämpft er, je nach Hund, immer mehr oder weniger um seine Rangordnung. Ursprünglich jagten die Vorfahren unserer Hunde in großen Rudeln. Das war wichtig für die Arterhaltung. Die Domestikation der Hunde ist mit durch diesen Trieb erst möglich geworden. Der Mensch trat an die Stelle des Rudelführers. Jedem heranwachsenden Hund sollte auch durch Konsequenz und manchmal, je nach Hund, durch Härte klargemacht werden der Rudelführer ist der Mensch. Nur mit Liebe kann man keinen Hund erziehen oder ohne Probleme mit seiner Umwelt halten, das wird oft vergessen. Im Wolfsrudel gibt es einen Boss. Die Anderen machen, was er will. Ist der Boss schwach, so sucht der Nächsthöhere seinen Platz einzunehmen. Das ist im Menschen - Hund - Rudel sehr oft auch so. Wenn Sie nicht merken, was läuft, dann haben Sie nachher ein großes Problem! Der Meutetrieb wird manchmal auch Rudeltrieb genannt.

 

Pflegetrieb

Wenn eine Hündin trächtig ist, entwickelt sie diesen Trieb automatisch. Man kann nicht sagen, dass bei nichtträchtigen Hündinnen dieser Trieb nie kommt. Die Haltung, Familienzugehörigkeit und Anderes ist bestimmend, dann kann dieser Trieb auch als Ersatzhandlung erscheinen. Auch zeigen Hündinnen einen unterschiedlich starken Pflegetrieb. Wenn man ihnen Welpen wegnimmt, suchen einige Hündinnen nach ihnen, andere nicht. Kranke Welpen lässt die Hündin oft links liegen.

 

Schutztrieb

Eigentlich kommt der echte Schutztrieb bei den Hündinnen hervor, wenn sie ihre Welpen beschützt. Oder bei Hunden die z.B. die Kinder ihres Herrchen oder Frauchens" beschützen. Bei der Schutzhund - Ausbildung kann dieser Trieb so genützt werden, dass er seinen Führer/ Besitzer/ Halter schützt. Der Wehrtrieb des Hundsports wird durch den Schutztrieb ausgelöst und durch den Kampftrieb umgesetzt.

 

Selbsterhaltungstrieb

Der Trieb, der den Hund davor schützt etwas zu tun, was sein Leben gefährden könnte. Auch ist der Selbsterhaltungstrieb der zweitwichtigste Urtrieb des Hundes. Ohne ihn könnte der Hund nicht leben. Mit dem Arterhaltungstrieb koppelt er auch die wichtigsten Triebe im Zusammenleben mit dem Menschen. Der Selbsterhaltungstrieb löst verschiedene Triebe aus z. B. den Fluchttrieb. Dieser kann (muss nicht) den Selbstverteidigungstrieb auslösen und dieser wieder aktiviert den Schutztrieb, Kampftrieb und schlussendlich den Wehrtrieb.

 

Spürtrieb

Mit tiefer Nase folgt der Hund der Fährte im Spürtrieb, um die Witterung verschiedener Sachen, auch Menschen, aufzunehmen. Man fördert diesen Trieb in den Hundesport Prüfungen, die einen Fährtenprüfungsteil aufweisen. Der Spürtrieb ist nicht zu verwechseln mit dem Stöbertrieb.

 

Stöbertrieb

Bedeutet, dass der Hund ohne Beachtung einer Fährte mit hoher Nase, mit Hilfe von Augen und Ohren und Nase eine Witterung aufnimmt und verfolgt. Der Stöbertrieb wird in der unter Spürtrieb beschriebenen Hundesport Prüfung bei einer Fährte vermieden. Am Ende sehen Sie, wie in der graphischen Darstellung dieser Trieb mit anderen zusammenwirken kann. Der Stöbertrieb wird bei Schweizer Hundesportprüfungen z.B. Gegenstandrevieren und Sanitätssporthundeprüfung gebraucht.

 

Unterordnungstrieb

Basis für das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch. Die Rudelmitglieder unterordnen sich dem Rudelführer. Im Zusammenspiel mit den anderen Trieben kann dieser Trieb schuld sein, wenn es in einem "Menschen - Hunde Rudel" in der Rangordnung Probleme gibt. Hunderassen, die diesen Trieb stark ausgeprägt in sich tragen lassen, sich leichter abrichten (z.B. Schäferhunderassen). Sogenannte Alpha Hunde (Männchen oder Weibchen) besitzen diesen Trieb nur schwach.

 

Wachtrieb

Ist nicht bei allen Hunden gleich ausgebildet. Er bedeutet eine Ablehnung rudelfremder Personen oder Tiere, die das eigene Territorium betreten. Ein Hund warnt durch bellen und greift ev. auch an. Manchmal wird das Bellen auch unbewusst vom Mensch/Halter gefördert. Dieser Trieb lässt sich gut durch Lob hervorholen. Wenn man ihn (gewusst wie) bei Junghunden unterbindet, das Bellen sogar bestraft, melden sie nach einer gewissen Zeit nicht mehr. Sehr oft kommt dieser Trieb in der Nacht stärker hervor.

 

Wehrtrieb

Hört man immer im Zusammenhang mit der Schutzdienstausbildung. Manchmal leider auch, wenn es zu Beißereien gekommen ist. Der Wehrtrieb sagt das aus, was er schon sagt. Der Hund wehrt sich gegen etwas - jemanden (Schutztrieb), manchmal aus Angst, Stress oder Aggression. Das kann aus einer Situation kommen, wo der Hund in die Enge getrieben wurde, oder weil der Hund glaubt, sich aus der Situation heraus, wehren zu müssen. Der Wehrtrieb löst den Kampftrieb aus.