Gedanken und Anregungen zum Schutzdienst

 

Schutzdienst ( korrekt ausgeführt ), ist das Anspruchsvollste und Schwierigste in der Hundeausbildung. Im einfachsten Sinn gründet sich Beißtraining auf die Fähigkeit eines Hundes, Stress zu bewältigen.

Der Schutzdiensthelfer stellt für den Hund in der Ausbildung die intensivste Ablenkung vom Hundeführer dar. Eine wichtige Voraussetzung für einen guten Schutzhund ist daher unbedingter Gehorsam in der Unterordnung.

Auf diesen beiden Bildern sieht man unseren Lehrhelfer der Landesgruppe Baden, Thomas Boris, beim Training

 anlässlich des Lehrhelfertreffens im März 2007 in Tengen

Ein guter Schutzhund wird von Jugend an gelehrt, auf eine angemessene Weise zu agieren, wenn er bedroht wird. Er lernt, dass ausweichen und weglaufen sein Problem nicht löst.

Um bei diesem Training erfolgreich zu sein, müssen wir ein gründliches Verständnis der Triebe, die das Verhalten des Hundes im Schutzdienst bestimmen – es sind:

Beutetrieb

Wehrtrieb

Kampftrieb

Meiden

Wenn wir lernen möchten wie ein Hund im Schutzdienst ausgebildet wird, beginnt unsere Aufgabe damit, diese Triebe zu verstehen und zu verstehen wie sie miteinander in Beziehung stehen.

Wenn wir einen Hund bei der Beiß-Arbeit beobachten, sollten wir uns fragen, in welchem Trieb ist der Hund jetzt und warum?

Vermutlich genau so wichtig ist es, zu erkennen, ob ein Hund den notwendigen Trieb nicht geerbt hat und folglich nicht erfolgreich im Schutzdienst ausgebildet werden kann.

 

 Eigenschaften der Triebe

 

Beutetrieb

Der Beutetrieb ist am einfachsten bei unseren Hunden zu erkennen und zu verstehen: der Beutetrieb ist das Verlangen, einen beweglichen Gegenstand zu jagen, ihn zu ergreifen und ihn zu schütteln, sobald er gefangen wird. Das Triebziel ist Ruhe mit (auf) der Beute.

Der Beutetrieb ist der wichtigste Trieb für die Hundeausbildung und wird vom Hundeführer über richtiges Spielen z. B. mit einer Beisswulst gefördert.  Der Hund lernt dadurch ein aktives Verhalten (im Gegensatz zu reaktivem Verhalten), einen ruhigen und festen Griff, das Verbellen auf Hörzeichen und das Auslassen auf Hörzeichen.

Der so geförderte Beutetrieb ist:

Grundlage der gesamten Ausbildung

Absicherung der Arbeit mit dem Hund

Befriedigung des Hundes

Wenn mit einem Hund im Beutetrieb gearbeitet wird, fühlt er sich nicht bedroht. Beutearbeit ist für den Hund angenehm. Etwas woran man unbedingt beim Beutetrieb denken sollte, ist, dass er erlischt oder vermindert wird, wenn der Hund ermüdet.

 

Wehrtrieb

Der Wehrtrieb eines Hundes ist der Trieb, sich vor einer wahrgenommenen Bedrohung zu schützen.

Wenn ein junger Hund im Wehrtrieb arbeitet, ist es für ihn keine angenehme Situation. Der Hund fühlt sich bedroht oder angegriffen und ist infolgedessen gestresst. Für unser Training möchten wir einen Hund, der sogar in dieser Position auf eine Bedrohung mit Aggression reagiert und nach vorne geht. Diese Bereitwilligkeit, sich zu verteidigen, ist eine ererbte Eigenschaft. Wenn ein Hund diese „Verteidigungs-Eigenschaft“ nicht hat, gibt es keine Möglichkeit, diesen Hund zum Schutzhund auszubilden.

 

Kampftrieb

Während wir mit der Ausbildung fortfahren, ändert sich die Sicht des Hundes auf den Helfer. Zuerst, bei der Beutearbeit, ist der Helfer eine Person die immer versucht die Beute zu stehlen, dann, wenn der Wehrtrieb angesprochen wird, wird der Helfer zu einer Person die Stress in sein Leben bringt. Der Helfer bedroht ihn nun und ist jemand, den man mit Misstrauen betrachtet. Der Anblick eines Hundes der im Kampftrieb arbeitet, ist ein erwachsener Hund mit viel Selbstsicherheit überall und unter allen Umständen. Er ist ein Hund, der bei seiner Schutzdienstarbeit keinerlei Unsicherheiten zeigt.

 

Meideverhalten

Es ist ein Trieb, den wir beim Schutzdiensttraining nicht sehen möchten. Wenn die Nervenbelastung für einen Hund zu hoch wird, wird er sich umwenden und zurückziehen. Zeigt der Hund dieses Verhalten, ist der Hund im Meiden. Manche betrachten Vermeiden als Trieb. Dies ist allerdings als eine Form der Verteidigung anzusehen. Es ist Verteidigung im Übermaß – ist schließlich ein wirkungsvoller Rückzug nicht die sicherste Verteidigung?